Anforderungen an professionelle Kommunikation in SL

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Je länger unser Projekt in Second Life vertreten ist, desto häufiger erreichen uns Anfragen aus dem beruflichen Kontext. Häufig -und auf Grund der Verfügbarkeit von SL-Voice- ergeben sich interessante Gespräche und Kooperationen. Ebenso entwickelt sich für mich SL zu einem Ort, in dem berufs- und forschungsrelevante Aspekte besprochen werden. Doch ist SL das richtige Medium um diese Gespräche durchzuführen? Möchte ich eigentlich das jederzeit jemand in mein Gespräch herein platzen kann? Oder mir und meinem Gegenüber einfach nur zuhört? Kann man nicht einen “sicheren Ort” schaffen in dem Gespräche nicht gestört oder mitgehört werden?

Da ich ein Gegner von Abschottung und Ausgrenzung bin, hat mich dieses Thema schon eine ganze Zeit umgetrieben. Doch mit steigender Anzahl von Besprechungen und Events, die in Second Life stattfinden, wollte ich diese Frage beantworten. Aus diesem Grund habe ich in der vergangenen Zeit einige Möglichkeit ausprobiert und möchte die Ergebnisse hier kurz erläutern:

Störungen vermeiden
Wie schaffe ich es also einen ungestörten Raum für meine Veranstaltungen zu schaffen? Im Prinzip haben sich für mich nur wenige logische Alternativen ergeben:

  • Verstecken
    Wer nicht gefunden wird, der bleibt in der Regel allein! Wir haben dieses Prinzip in unseren Seminarsettings umgesetzt, indem wir unsere Lernorte einfach an weit abgelegene Plätze gebracht haben. Und dies bedeutet bei SL: Ab in die Wolken! Avatare können ohne Hilfsmittel eine Höhe von 150m nicht überschreiten. Hängt man also seine Orte in den Himmel (SkyBox) und wählt eine Höhe über 200m ist man vor ungewolltem Besuch recht sicher. Zu der schlechten Erreichbarkeit kommt zusätzlich die Unkenntnis. Den Besucher müssen erst einmal wissen wo sich ein solcher Ort befindet, bevor sie ihn betreten können.
  • Einmauern
    Sich in geschlossene Räume zurück zu ziehen wäre die erste logische Konsequenz, da wir es aus der realen Welt so gewohnt sind. Ein geschlossener Raum, eine Tür, ein Schlüssel – Problem gelöst?! Aus meiner Sicht ist dies eine der unglücklichsten Arten einen ruhigen Ort zu schaffen. Denn dieser Ort ist nicht wirklich ruhig. Schließlich werden durch die virtuellen Wände weder der Chat noch der SL-Voice in seiner Reichweite begrenzt. Wer nah genug an dein Setting kommt, kann problemlos interagieren. Aber darauf gehe ich gleich noch gesondert ein.
  • Ausgrenzen
    SL bietet jedem Landbesitzer die Möglichkeit seine (Teil-)Parzellen mit einer Zugangsbeschränkung zu versehen (About Land -> Access). Mit Hilfe des Systems kannst du genau festlegen welche EinzelAvatare oder Gruppen ein Landstrich betreten dürfen und welche nicht. Für alle Ausgegrenzten erscheint dann an der Grenze die berüchtigte “No Entry”-Wand. Eine sichere und einfache Methode. Doch kann ich diese Variante nicht uneingeschränkt empfehlen. Leider wird mit dieser Variante -aus meiner Sicht- zu gedankenlos umgegangen. Die Beschränkungen werden einmal auf das Landstück gelegt und dann vergessen – schließlich bemerkt man die Ausgrenzung selber nicht. Von diesem Zeitpunkt an gibt es einen nicht betretbaren Bereich in SL. Und da sich diese Bereiche immer weiter häufen schmälert dies enorm die Bewegungsfreiheit in SL.
    Ebenso hatte ich bei der Anwendung dieser Begrenzung einige Schwierigkeiten. Leider (oder glücklicherweise) reicht diese SystemAbgrenzung nur bis zu einer Höhe von 75m und ist nicht verschiebbar. Somit ist die Anwendung für SkyBoxen unmöglich.
  • Scripte
    Es gibt sogenannte “Security-” oder “Guardian”-Scripte. Diese Scripte machen eigentlich nur eines: sie gleichen eine Liste von erlaubten Personen mit dem AvatarNamen ab. Ist diese nicht enthalten wird die im System enthaltenen “Kick”-Funktion angewendet. Der Avatar wird einfach auf das nächste Landstück teleportiert. Wie bei allen Scripten gibt es hier gute und weniger gute Umsetzungen. Diese Variante kommt einen Rausschmiss am ehesten. Und mal ehrlich: Wer wird bei einer Party schon gerne vom Türsteher vor die Tür gezerrt?
    Siehst du! Ich auch nicht!

Interferenzen bei SprachKommunikation vermeiden
Seit der Einführung von SL-Voice musste ich einen weitere Faktor in die vorangegangen Überlegungen einbeziehen: Gibt es eine Möglichkeit einen “privaten Raum” für die sprachliche Kommunikation zu schaffen? Denn diese Überlegung ist aus meiner Sicht für einen professionellen Einsatz von SL dringend notwendig. Denn ich möchte keine Beratung oder kein wichtiges Meeting in SL durchführen, wenn jeder Passant zuhören kann. Aus diesem Grund habe ich mich auch mit den (Un-)Möglichkeiten der SprachKommunikation in SL beschäftigt:

  • Sprachkommunikation getrennt von SL
    Als unser 2nd Life Learning Projekt begonnen hat gab es noch keine integrierte SprachKommunikation in SecondLife. Da aber für den schnellen Austausch die Sprache dem Chat weit überlegen ist, suchten die meisten Avatare eine Möglichkeit per Sprache zu kommunizieren. In der Regel wurde dies über externe Programme wie TeamSpeak, Skype, ICQ etc. verwirklicht.
    Diese Kommunikation hat den großen Vorteil das sie sehr skalierbar und -im Blick auf den “Schallschutz”- von SL getrennt sind. Unabhängig von der räumlichen Situation kann die Kommunikation genutzt werden. Virtuelle Entfernungen und Standorte in SL spielen dabei keine Rolle. An dieser Kommunikation kann nur teilnehmen wer dazu eingeladen wird. Und genau an dieser Stelle habe ich den Schwachpunkt dieser Konstellation erlebt. Eine Kommunikation mit den Worten “Haben Sie auch Programm XY installiert? Nein? Warten Sie, ich gebe ihnen den Link zum Download und unsere Zugangsdaten!” zu beginnen war für mich immer extrem störend. Die sofortige, aufwandsfreie Verfügbarkeit von Sprachkommunikation in SL ist für mich ein immer wichtiger werdender Faktor.
  • “Schallschutz” mit SL-Voice
    Doch auch mit SL-Voice lässt sich ein recht gutes Maß an Schallschutz erreichen. Hierbei sind die Einstellungen der einzelnen Parzellen entscheidend. Im Reiter “Media” unter “About Land” kannst Du die Medieneinstellungen für die einzelnen Parzellen bearbeiten. Hier findest Du auch Einstellungmöglichkeiten für Voice. Schaltet man hier die Option “Use a private spatial channel” ein, aktiviert man einen eigenen SoundKanal für die angegebene Parzelle. Dieser Kanal ist unabhängig von VoiceChat der gesamten Insel. Sprache kann somit die Grenzen deiner Parzelle nicht überschreiten.
    Mit der Kombination von Parzellengröße und Zugangsbeschränkung lässt sich somit ein akzeptabler Schallschutz erzeugen. Wenn zum Beispiel die UnterParzelle so groß wie das darauf stehende Gebäude gewählt wird, ist das Gebäude eine eigenen kleine Gesprächszone. Ob Du den Zugang zu dieser Zone (temporär) einschränken möchte bleibt Dir überlassen.

Fazit:
Aufgrund der verschiedenen Erkenntnisse zum Thema Kommunikation in SL haben wir uns auf unserer Repräsentanz zu unterschiedlichen Konzepten entschlossen. Dabei sind die von uns angelegten Lernräume, alle über einen eignen VoiceKanal, zu kleinen “GesprächsBlasen” geworden. Der Zugang für Avatare ist dabei je nach Setting beschränkt. Unsere öffentlichen Bereiche wie Cafeteria und Auditorium Maximum sind selbstverständlich frei zugänglich. Die für Seminare reservierten Skyboxen liegen an schlecht zugänglichen Orten, können aber von den Teilnehmenden per Teleport problemlos betreten werden. Für private Kommunikation haben wir einen eigenen Konferenzraum eingerichtet, der Zugangsbeschränkt ist und nur auf Einladung betreten werden kann. Ich habe dabei versucht den Ort so klein wie möglich zu gestalten und ihn an eine Stelle gelegt, an der er hoffentlich am wenigsten stört.

Bei der Planung von Repräsentanzen hat die Berücksichtigung von Kommunikation und Zugangsbeschränkungen einen hohen Stellenwert. Gerade aus Gründen des Datenschutzes und der Urheberrechtes sind abgetrennte Bereiche nicht zu vermeiden, sollten aber aus meiner Sicht so klein und zeitlich begrenzt wie möglich gehalten werden um das Bild von SL nicht nachhaltig zu prägen.

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